Craft Beer in Prag – Teil 1

Beer Geek Bar Toiletten BierfassIhr wisst es gibt so viele India Pale Ales in der Welt die es Wert sind getrunken zu werden und daher habe ich mich aufgemacht um in der Tschechischen Bierhochburg Prag nach schönen IPA-Craft Beer ausschau zu halten.

Ob ich fündig wurde, lest Ihr hier.

Tschechien führt die Liste des Pro-Kopf-Konsums von Bier mit 144l (2014) unangefochten an, danach steht aktuell noch Deutschland. Man merk es schnell das Bier hier in der Kultur tief und fest verankert ist, denn schon zum Mittagessen gehört für viele ein Glas Bier einfach dazu. Vor allem aber das Pils und Arten davon sind hier weit verbreitet was durch die Brauereischilder an jedem Restaurant und Kneipe von Stratopramen und Pilsener Urquell schnell klar wird. Zudem ist Bier meist günstiger als Wasser, was den Stellenwert ebenfalls unterstreicht.

Mein erster Anlaufpunkt war der nächste größere Supermarkt von TESCO welcher der meistbesuchte in ganz Tschechien war. Für mich ist es immer ein Indikator wie weit Craft Beer bekannt ist wenn man es im Supermarkt finden kann.

Hierbei fand ich lediglich ein IPA von Primátor – India Pale Ale 6,5% (CZ), die Odyssee der Verkostung findet Ihr folgend…

Primátor für die Primaten

Rein in den TESCO Supermarkt lange gesucht und dann doch wenigstens ein IPA gefunden, das Primátor – India Pale Ale 6,5% (CZ). Die 0,5l Flasche mit dem leicht Indisch angehauchten Etikett macht mich zunächst neugierig, schreckt mich aber auf der anderen Seite auch vom Namen her etwas ab. Ich betrachte zunächst das Etikett ausgiebig.

Die Brauerei gibt es seit 1872 daher bin ich gespannt was die bei den IPAs zu bieten haben. Meine Sorge lag beim Namen und verband gleichzeitig meine Hoffnung, dass das Bier bitte kein Primat(or) unter den IPAs ist.

Beim Einguss entfaltet sich die Farbe, die ich als rötliches Bernstein und recht klar bezeichnen würde. Die Schaumkrone steht beim Einguss 2 Finger breit und senkt sich anschließend leicht, bleibt dann aber sahnig stehen.

Der erste Geruch ist leicht hopfig und fruchtig nach Zitrus sowie malzig, soweit so gut. Beim Antrunk lässt das Primátor IPA allerdings nach und kann die Erwartungshaltung des Geruchs leider nicht gerecht werden. Es schmeckt getreidig, leicht fruchtig evtl. nach Grapefruit und malzig süß, insgesamt aber etwas dünn. Die Bitterkeit kommt früh, dominiert recht stark und wird durch einen alkoholischen leicht sprittigen Geschmack begleitet der sich ebenfalls im Gaumen ordentlich breit macht.

Die Rezenz würde ich leider als nicht spritzig und auch wenig frisch beschreiben, sondern für mein Empfinden eher anstrengend und alkoholisch trotz seiner eigentlich für ein IPA unauffälligen 6% Alkohol.

Wie beim Antrunk schon präsent fällt der Nachtrunk sehr bitter aus, mit einem Hang zum kratzigen und diese Bitterkeit hällt sich auch länger auf der Zunge, was mich nicht unbedingt dazu bewegt mehr von diesem Bier trinken zu wollen.

Gefühlt geht dieses Bier am Bierstil India Pale Ale meiner Meinung nach ein Stück vorbei und vermittelt eher den Eindruck eines gehopften Pils. Daher ist mein erster Eindruck von Prags IPA-Szene die es in den Supermarkt geschafft hat zunächst getrübt, aber ich stehe ja noch am Anfang meiner IPA-Reise.

Das Fazit aus meiner Sicht finde ich das Primátor als Einstiegs-IPA nicht besonders empfehlenswert und eher unterdurchschnittlich. Insgesamt von der Geschmackskomposition enttäuschend daher von mir keine Empfehlung.

Primátor – India Pale Ale
Primátor – India Pale Ale

Name: Primátor – India Pale Ale

Bierstil: IPA – India Pale Ale
Herkunftsland: Náchod, Tschechien
Brauerei: Pivovar Náchod (LIF)
Farbe: rötliches Bernstein
Geruch: leicht hopfig, fruchtig, zitronig, malzig
Geschmack: leicht fruchtig, malzig süß

Analytik:
Hopfensorte(n): ?
Stammwürze: ? °P
Bittere: ? IBU
Alkohol: 6,5%
Bezugsquelle(n): Tesco Supermarkt, Prag

 

Beer Geek Store

Meine erste Lokation in Prag war der Beer Geek Store http://beergeek.cz/ den es seit 2012 gibt welcher im Stadtteil Prag 3 gut mit der S- & U-Bahn erreichbar ist.

Der Store ist zwar nicht sonderlich groß dafür aber reichlich bestückt. Die Biere sind nach Ländern sortiert und das Sortiment umfasst viele Biere aus den Nachbarländern wie Polen, Deutschland, Slowakei aber auch aus USA, UK und natürlich aus Tschechien selber. Die Geeks im Store haben Ahnung und stehen mit Rat & Tipps zur Seite.

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Die Preise für lokales Craft Beer sind wie das Bier im Allgemeinen günstiger als in Deutschland und daher kann es passieren, dass man schnell in einen Kaufrausch verfällt. Hier habe ich mich für die spätere Verkostung von einheimischen IPAs auch ordentlich eingedeckt.

 

Beer Geek Bar

Praktisch eine Straße weiter und Fußläufig in 3 Minuten zu erreichen ist die Beer Geek Bar die es seit gut 1,5 Jahren gibt. Die Bar hat bis zu 30 verschiedene Craft Beer am Hahn die immer wieder wechseln und umfasst sowohl einheimische als auch ausländische Craft Beer in einem ordentlichen Mischverhältnis. Essen kann man in der Bar auch, obwohl ich dazu nichts sagen kann, denn ich habe mich auf das Wesentlichen und zwar die Craft Beer konzentriert.

Die Bar im Souterrain ist nicht riesig aber mit ordentlichem Platz und moderne Eingerichtung mit viel Holz und klaren Strukturen versehen.

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Die Bedienungen in der Beer Geek Bar sind alle samt Bierliebhaber und verstehen Ihr Handwerk, daher bekommt man hier auch Empfehlungen wo man weitere Craft Beer-Lokale in Prag finden kann. Dankbar nahm ich diese an und ließ mir eine IPA-Empfehlung geben.

„Dann empfehle ich Dir ein Idiot!“

Mit diesen Worten wurde mir das Falkon – Idiot IPA 14° 6,2% IBU 60 (CZ) in der Beer Geek Bar wärmstens empfohlen nachdem ich von meiner Vorliebe für fruchtige IPAs erzählt hatte.

Nach kurzem Zögern und Verarbeitung des soeben gehörten aber noch nicht ganz verstandenen willigte ich ein und nahm den Idioten.

Ein 0,3l Glas kostete 45 Kronen was nach aktuellem Umrechnungskurs 1,66€ war, wie bereits erwähnt ist auch Craft Beer in Tschechien günstig. Ich war sehr gespannt ob das erste enttäuschende IPA-Erlebnis in Tschechien, die Verkostung des Primators durch den Idioten wieder wettgemacht werden konnte, wobei ich bei dem Namen zunächst nicht viel erwartete.

Nach einem prüfenden Blick und einem schwungvollen Einguss durch die Geeks der Bar, bekam ich ein hell goldenes IPA mit einer schönen sahnig-weißen Krone die fest auf dem Bier stand. Soweit so gut dachte ich mir und nahm einen tiefen Atemzug um das Aroma zu riechen. Der Geruch war hopfig, sehr fruchtig und es kamen Noten von tropischen Früchten mit leicht Malzigen Charakter hoch, sodass es ein solides IPA nach meinem Geschmack versprach.

Der Antrunk hielt weitestgehend was der Geruch versprach. Ein fruchtiger Geschmack nach Zitrus und einer malzigen süße mit einer leicht grasigen Note, abgerundete durch eine leichte Bitterkeit. Die Rezenz war spitzig und absolut süffig und überhaupt nicht aufdringlich. Im Nachtrunk hielt die Bitterkeit an ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Ich empfand das Falkon – Idiot als ein sehr leichtes IPA welches unangestrengt süffig und einem klassischen all day IPA entsprach. Mein Gesamteindruck war unaufdringlich, fruchtig, leicht und spritzig und ist meines Erachtens ein prima Einstiegs-IPA mit solidem Handwerk. Für Charakterstarke oder Bitterkeitsliebhaber eher ein nettes Vorspiel.

Name: Falkon – Idiot IPA

Bierstil: IPA – India Pale Ale
Herkunftsland: Zatec, Tschechien
Brauerei: Pivovar Falkon
Farbe: golden
Geruch: fruchtig, tropische Früchte
Geschmack: fruchtig, zitrus, grasig, malzig

Analytik:
Hopfensorte(n): Magnum, Chinook, Centennial, Mosaik
Stammwürze: 14 °P
Bittere: 60 IBU
Alkohol: 6,2%
Bezugsquelle(n): Beer Geek Bar, Prag

 

Die zweite Empfehlung der Bedienung war das Matuška – Černá Raketa Black IPA 17° 6,8% IBU 55 (CZ) 0,3l für 45 Kronen. Die Pivovar Matuška so wurde mir erzählt von den Geeks erzählt ist wohl die größte und bekannteste Craftbeerbrauerei in Tschechien weshalb man Biere von dieser Marke auch häufiger in Kneipen und Restaurants finden kann. Sie soll wohl auch eine der besten Craftbeerbrauereien gewesen sein, allerdings hat Matuška wohl mit Qualitätsproblemen zu kämpfen, weshalb die Qualität der Biere von Fass zu Fass und damit von Flasche zu Flasche unterschiedlich sein kann, so die Beer Geeks weiter. Das aktuelle Fass sollte aber eine gute Qualität besitzen weshalb ich auf mein aller erstes Black IPA sehr gespannt war.

Ich bekam ein Glas in dem ein IPA drin sein sollte, dass aber eher nach einem bekannten Irischen Stout aussah. Sehr dunkelbraune fast schwarze Farbe und eine sahnige, feste, leicht beige Schaumkrone.

Der Geruch war sehr hopfig fruchtig, malzig süß und versprach ein IPA zu sein. Der Antrunk war karamellig süß, fruchtig nach Zitrus und Gras und angenehm samtig im Mund. Eine milde Bitterkeit legte sich ganz leicht über die Frucht ohne zu stören. Ich empfand die schwarze Rakete in der Rezenz als spritzig und absolut süffig. Der Nachtrunk komplettierte den guten Geschmack mit einer leichten unangestrengten Bitterkeit. Ich war begeistert und entzückt, was mich zu einer absolut trinkenswerten Gesamtnote führt und ich jedem IPA-Trinker diese Rakete in Schwarz wärmstens empfehlen kann. Well done

Name: Matuška – Černá Raketa Black IPA

Bierstil: IPA – India Pale Ale
Herkunftsland: Broumy, Tschechien
Brauerei: Pivovar Matuška
Farbe: schwarz
Geruch: fruchtig, malzig, schokoladig
Geschmack: Karamell, malzig, fruchtig zitronig,

Analytik:
Hopfensorte(n): ???
Stammwürze: 17 °P
Bittere: 55 IBU
Alkohol: 6,9%

 

Kloster Strahov

Wer den Aufstieg zum Kloster Strahov gemeistert hat findet dort eine Bierbar die „Klášterní pivovar Strahov“ in der verschiedene Biere gebraut werden. Bei dem Wort S.V. Norbert mag man als erstes an einen regionalen Fußballverein denken, doch handelt es sich hierbei um die Biermarke des Klosters und zu Deutsch St. Norbert. Ich entscheide mich daher für das  S.V. Norbert IPA (CZ).

Mit einer Bernstein Farbe und einer sahnigen Schaumkrone kam es daher, der Gerucht fruchtig, hopfig nach Zitrus.
Der erste Schluck des Antrunks ist recht fruchtig, prickelnd und suffig mit einer leichten Spritzigkeit. Im Nachtrunk verhält es sich nach hinten raus bitter. Insgesamt gut trinkbar aber keine Offenbarung. Das Glas 0,25l kostet 45 Kronen.

 Direkt neben dem Kloster befindet sich das Velká klášterní restaurace welches weniger durch seine erlesenen Speisen sondern mehr durch sein Bierangebot glänzt in dem man viele Biere der Craftbierbrauerei Matuska vom Fass findet. Ich entscheide mich daher für ein weiteres Matuška Černá Raketa Black IPA 17° 6,8% IBU 55 (CZ) welches ich in der Beer Geek Bar bereits verkostet habe.

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Den zweiten Teil meiner Craft Beer in Prag-Reise findest Du hier .  Prost und bleib hopfig! 🙂

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